Karel Gott: Einmal um die ganze Welt
|
Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld daß man keine Liebe und kein Glück versäumt viele fremde Länder sehn auf dem Mond spazieren gehn davon hab ich schon als kleiner Bub geträumt
Wenn man nur als Kind schon wüßte
|
||
|
Vorweg: Der Gesang und das Arrangement sind natürlich grenzwertig, aber Udo Lindenberg hat schon genau gewußt, warum er dieses Lied gecovert hat: Großartig ist an diesem Liedtext der Refrain (hier oben der obere Absatz). Es geht nicht etwa um einen infantilen, kitschigen Traum von der großen, weiten Welt, es geht um die Sehnsucht, die weiß, daß sie unerfüllbar ist und wahrscheinlich auch ahnt, daß sie uner-füllbar bleiben muß, um sie selbst, um Sehnsucht zu bleiben. Die Sehnsucht, "daß man keine Liebe und kein Glück versäumt" - eine Sehnsucht, alles ha-ben zu wollen und nichts zu verpassen, die realistisch gesehen unerfüllbar ist, die sich aber dennoch von dieser Einsicht nicht ersticken läßt. Und gleichzeitig das ungestüme nach den Sternen greifen - "auf dem Mond spazieren gehn" - das angesichts dieser prakti-schen Unmöglichkeit eigentlich um die Aussichtslosigkeit wissen muß, aber trotzdem nicht abläßt. Und in der letzte Zeile der Strophe: Die Träume werden "mitunter" wahr. Kitsch wäre es zu sagen, daß die Träume eines Tages wahr werden. Aber das Wissen um die Potentialität der Erfüllung - was wiederum die Sehnsucht rettet - adelt diesen Liedtext. (Und jetzt noch pathetischer:) Dieses Lied zu singen, heißt Mensch zu sein, denn die Sehnsucht, die Hoffnung oder das Verlangen nach Unerreichbarem ist es, was den Menschen ausmacht.
|
||