Funny van Dannen: Jeden Tag leben (Nebelmaschine - 2005)
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Ja super, jeden Tag aufwachen ja super, jeden Tag aufstehen ja super, sich jeden Tag anziehen ja super, jeden Tag rausgehen und immer wieder duschen immer wieder Zähne putzen ja super, immer wieder arbeiten und jeden Tag das Klo benutzen
Ja super, super, super und immer alles geben
Ja super, sich alles anschaun
Ja super, super, super und immer alles geben
Ja super, jeden Tag denken
Ja super, super, super und immer alles geben |
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Dieser Liedtext beschreibt die Perspektive eines Depressiven (im pathologischen Sinne) auf das Leben. Dabei werden die drei Bereiche, die er anders wahrnimmt als der Gesunde, in den drei Strophen beschrieben: In der ersten geht es um Alltagshandlungen und tägli-che, notwendige Verrichtungen, in der zweiten um die Interaktion mit der Welt und die Kommunikation mit den anderen Menschen und in der dritten Strophe geht es um die (Wahr-nehmung der) eigenen Gefühle. Zentral sind dabei die zwei Ausdrücke "Ja super" und "immer wieder". Gerade das "ja super" ist treffend, denn durch das "ja" wird das ironische "super" auf sprachlicher Ebene zu einer Art Entgegnung auf die Sichtweise der anderen (nicht depressiven): "Ja, (das ist) super" sagt man, wenn man jemandem, der etwas toll findet, entgegnen möchte, daß man es überhaupt nicht toll findet. In diesem Moment einer internalisierten Kommu-nikation spiegelt sich die für den Depressiven (in leichtem Stadium) typische Erkenntnis der eigenen Andersheit und der abweichenden eigenen Empfindungsweise. Ähnlich ist es beim "immer wieder": Ein Gesunder würde höchstens "wieder" sagen und dann auch eher in dem Sinne: "ja klar, wieder, ist doch normal". Das "immer wieder" drückt schon die Fokussierung der Wahrnehmung auf die endlose Wiederholung aus, die als eine Last wahrgenommen wird und die sich dann in extremen (Erkrankungs-)Fällen zu einem un-überwindbaren Hindernis entwickeln kann und die Verrichtung dieser Tätigkeiten unmöglich macht. Nur mit diesen zwei Formulierungen und der Nennung normaler, notwendiger alltäglicher Tätigkeiten wird das Leiden des Depressiven ausgedrückt. Alles ist ihm langweilig, lästig und sinnlos: Körperpflege, sich auf- und fertigmachen, arbeiten, insbesondere auch "raus-gehen" (müssen), die Welt wahrnehmen ("anschaun", "hören") und Höflichkeitsfloskeln sa-gen. Aber auch Empfindungen zu haben und so am Fußballspiel und an Krimis keine Freude zu haben und bei ihnen auch nur die ewige Wiederholung zu sehen (die in Wirklichkeit jedoch nur darin besteht, daß es eben immer wieder Fußballspiele und Krimis sind) und eben nicht die Abwechslung, das Immer-anders-sein wahrzunehmen, was ja gerade den Sinn von ihnen ausmacht. Besonders deutlich ist die Distanzierung gegenüber den eigenen Emotionen - d. h. sie rational wahrzunehmen, aber nicht empfinden zu können, sie nicht zu den eigenen machen zu können - an der Stelle, wo zum einzigen Mal "ja toll" statt "ja super" steht, was man noch als Steigerung deuten kann: "Ja toll, die ganzen Gefühle".
Im Refrain verdichtet sich nun alles: "Ja super, super, super und immer alles geben". Nur ein Depressiver kann die ganzen alltäglichen Verrichtungen als "immer alles geben" emp-finden. Aufstehen, anziehn, Klo benutzen, Auto fahren, Bitte sagen: Das ist für den Ge-sunden alles andere als "alles geben", es ist reine, mühelose Routine, die kaum mehr be-wußt wahrgenommen wird. Für den Kranken ist es jedoch größte Anstrengung und um es zu tun muß er eben "alles geben". |
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