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Deppenorthographie


Die anscheinend unaufhaltsame Ausbreitung der Unsitte, das Genitiv-s durch ein Apostroph abzutrennen - das berüchtigte Deppenapostroph -, nimmt man mittlerweile ja schon resi-gniert hin, zumal selbst der Duden, der neuen Rechtschreibung in vielen Fällen nur wider-willig folgend und oft seine eigenen Empfehlungen hinzufügend, dessen "gelegentlichen" Gebrauch "zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens" konstatiert und als nicht falsche Möglichkeit sogar zuläßt. ("Moni's Friseursalon") Man nimmt auch noch das Überspringen dieser Schreibweise auf das Plural-s kopfschüttelnd zur Kenntnis, da es auf-grund seiner Absurdität eigentlich nur ein Ausdruck der Dummheit des Schreibers sein kann. ("Info's")

Weniger leicht hinzunehmen ist das erst in den letzten Jahren vermehrt zu beobachtende Auseinanderschreiben von zu einem neuen Wort (Kompositum) zusammengefügten Ursprungswör-tern. ("System Diagnose", "Kaffee Spezialitäten") Vielleicht entstammt dieses Deppenleer-zeichen, so wie das Deppenapostroph ja auch, einer geistlosen Übernahme der englischspra-chigen Orthographiegepflogenheiten. Daß man dabei aber noch nicht einmal auf die Idee kommt, Bindestriche zu verwenden (und nur dann wäre das dudensche Argument der Verdeutli-chung der Urspungswörter gültig), offenbart nicht nur ein Unwissen um die deutschen Schreibregeln, sondern auch ein völliges Unverständnis der deutschen Sprache, denn schon das Aussprechen dieser nur aneinandergereihten Wörter würde aufgrund der den Sinn ent-stellenden Ein-Wort-Betonung zu einer Zusammen- oder zumindest Bindestrichschreibung zwingen.

Ganz schlimm wird es jedoch, wenn - andersherum - der Deppenbindestrich zum Einsatz kommt. In diesem Fall werden jene Komposita durch Bindestrich(e) wieder aufgetrennt, die schon seit Jahrhunderten nicht mehr neue Wortzusammensetzungen darstellen, sondern längst eigenständige Begriffe sind und bei denen niemand mehr an die Ursprungswörter denkt. ("Apfel-Blüte", "Regen-Schauer"). Kann man von jemandem, der so schreibt, überhaupt sa-gen, er sei des Schreibens mächtig?

Eine weitere Form der Deppenorthographie ist das neumodische Deppennichtleerzeichen. Die-se ursprünglich auf (DOS-)Computern aus der Not der nur begrenzt vorhanden Zeichenzahl für Dateinamen geborene Schreibweise des mitten im Wort am Beginn von Wortbestandteilen auftretenden Großbuchstabens scheint unbegreiflicherweise immer noch hippe Moderne auszu-drücken. Tatsächlich ist sie aber nur überflüssig und albern. Genauso überflüssig wie das schon seit längerem verbreitete große I zur Kennzeichnung des Gemeintseins beider Ge-schlechter in Form von -In und -Innen. Seine Verwendung zeugt nicht nur von der Ignoranz der Differenz von grammatikalischem und biologischem Geschlecht und von der völligen Abwesenheit von Sprachgefühl, sondern auch von dem Unwissen darüber, daß Sprachverände-rungsversuche stets scheitern, weil der tatsächliche Sprachgebrauch etwas Lebendiges, et-was Unprognostizier- und Unsteuerbares ist. Es bleibt einem nur, sich über ihn zu echauf-fieren - was ich hiermit getan habe.

10/09

 
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