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Die Gewinner und insbesondere die Gewinnen-Woller waren mir schon immer viel unsympathi-scher als die Verlierer. Aber am sympathischten sind mir immernoch die Scheiterer, jene, die verlieren, weil sie ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen können. Denn sie haben noch Ansprüche. Irreale und oft auch gar nicht erfüllbare - aber genau das macht ihre Größe aus, daß sie trotz der widersprechenden Wirklichkeit, trotz der schlechten Aussich-ten auf das Gelingen das tun, was sie tun wollen. Die stumpfen Gewinner und Gewinnen-Wol-ler dagegen sind erfolgreich, weil sie realistisch abschätzen, was zu tun ist, um zu ge-winnen; sie kalkulieren ihre Chancen und tun das, was zum Erfolg notwendig ist. Und wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist, dann versuchen sie es erst gar nicht. Sie sind ver-nünftig, aber sie können niemals Größe haben. (Wer kein Apfelbäumchen pflanzt ist ver-nünftig, wer eines pflanzt hat Größe.)
Denn der entscheidende Unterschied ist: Ihr erstes Ziel ist der Erfolg, und worin sie er-folgreich sein wollen und worin nicht, richtet sich danach, wie gut die Chancen stehen. Das zu erreichende Ziel hängt also von den Chancen der Zielerreichung ab. (Als Beispiele denke man an: Leute mit so einer Haltung sind unfähig zu scheitern, denn erstens tun sie nichts und streben nichts an, woran sie scheitern könnten, weil sie es erst gar nicht beginnen oder "rechtzeitig" abbrechen, und zweitens streben sie strenggenommen überhaupt keine Ziele an, richten ihr Handeln nicht an Idealen aus, sondern an den Erfolgschanchen. Sie wollen nichts, sie wollen nur gewinnen. Scheitern (können) jedoch heißt, nicht kurz vor dem Mißerfolg abzubrechen und das nicht mehr erreichbare Ziel aufzugeben und als Ziel zu verleugnen. Scheitern heißt, den Mißer-folg "durchzuziehen", ihn zu erleben und mit Größe zu scheitern heißt, das Ziel trotz Nichterreichenkönnens, trotz Nichterreichens als Ziel nicht aufzugeben.
Wenn ein Gewinnen-Woller verliert, ist er ein Versager. Er ist nicht gescheitert, er hat versagt. /07 |